Sozialarbeit in Ruanda

Social March in Kigali/Ruanda © Elke Stinnig

Der Völkermord in Ruanda zählt zu den schrecklichsten Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Von April bis Juni 1994 wurde Schätzungen zufolge beinahe eine Million Menschen, vor allem Angehörige der Tutsi Minderheit getötet. Der Genozid war kein plötzlicher Ausbruch von Gewalt, sondern seitens der Hutu-Regierung geplant und vorbereitet worden. Zudem reichen die Ursachen des Völkermordes in die Kolonialgeschichte zurück.

Nach dem Genozid waren das soziale Gefüge sowie die politischen und wirtschaftlichen Strukturen völlig zerstört. Seitdem hat in Ruanda unter der Regierung von Paul Kagame eine erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung stattgefunden. Die autoritäre Regierungsführung, die Zensur der Medien und der Umgang mit der Opposition werden jedoch stark kritisiert. Zur Erreichung des gesamtgesellschaftlichen Fortschritts wurden von der Regierung traditionelle Konzepte sogenannte Home Grown Solutions wiederbelebt. Die Sozialarbeit wurde in Ruanda erst nach dem Genozid eingeführt, mit dem Ziel Überlebende und traumatisierte Menschen professionell zu unterstützen. Zur Entwicklung der akademischen Disziplin hat u.a. auch das APPEAR-Projekt PROSOWO unter Beteiligung von ostafrikanischen Universitäten und der FH Kärnten beigetragen.

Vorkoloniale Geschichte Ruandas

Bereits vor der Kolonialzeit gab es in Ruanda ein komplexes und stark ausdifferenziertes Gesellschaftssystem. Seit dem 11. Jahrhundert sind kleinere Königreiche in diesem Gebiet entstanden. Ab dem 14. Jahrhundert beginnt sich mit dem Königreich Nyiginya die Vorherrschaft der Tutsi zu entwickeln. Hutu und Tutsi sprechen Kinyarwanda, teilen die Religion und leben dieselben sozialen Praktiken. Die Grenzen zwischen Hutu und Tutsi sind fließend und es kann durch Heirat oder Erwerb von Vieh zwischen den Gruppen gewechselt werden. Die Kategorien der Hutu und Tutsi beschreiben eine soziale Klasse und keine voneinander getrennte Ethnien. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es unter dem Mwami (König) Rwabugiri zu einer Privilegierung der Tutsi und damit zu einer Polarisierung zwischen den Gruppen. Als die ersten Europäer nach Ruanda kamen, interpretierten sie die gesellschaftliche Dominanz der Tutsi, im Sinne der damals vorherrschenden Hamitentheorie: d.h. die Tutsi wurden als eine überlegene und den Europäern verwandte „Rasse“ gesehen, die aus dem Norden eingewandert sind und die Hutu unterworfen haben.

Auf der Berliner Konferenz 1884-1885 wurde das Königreich Ruanda dem Deutschen Reich zugesprochen. Nach dem 1. Weltkrieg erhielten die Belgier vom Völkerbund das Mandat für die Verwaltung Ruandas. Im Rahmen der indirekten Herrschaft wurden bei der Besetzung von Ämtern Tutsi ausgewählt. Höhere Schulbildung wurde ebenfalls nur den Tutsi ermöglicht. Während der belgischen Kolonialherrschaft wurde die angenommene Überlegenheit der Tutsi zudem mittels pseudowissenschaftlicher Methoden rassistisch begründet und festgeschrieben. Die Einteilung in Tutsi, Hutu oder Angehörige der Twa-Ethnie wurde nach einer Volkszählung in den neu ausgestellten Ausweisen dokumentiert. Eine soziale Mobilität zwischen den Gruppen war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Die Tutsi, die von der belgischen Herrschaft profitiert hatten, waren gegen eine rasche Unabhängigkeit und für die Beibehaltung des Königreiches. 1959 gründeten die Hutu die Partei Parmehutu (Partei für die Bewegung und die Emanzipation der Hutu) mit dem Ziel die Tutsi Monarchie zu stürzen. Gewalttätige Konflikte zwischen Hutu und Tutsi brachen aus.

Nähere Informationen hierzu bieten die Publikationen von Mahmood Mamdani und Helmut Spitzer.

Der Völkermord von 1994

Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1962 kehrten die Hutu, die nun an der Macht waren, die Herrschaftsverhältnisse um. Viele Tutsi flohen in die Nachbarländer, vor allem nach Uganda wo sie 1987 die Ruandische Patriotische Front (RPF) gründeten. Die Rebellenarmee RPF marschierte 1990 im Norden Ruandas ein und eroberte große Gebiete. Juvénal Habyarimana, der 1973 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war, reagierte darauf mit Massakern an Tutsi. Auf internationalen Druck wurde am 3. August 1993 im Friedensvertrag von Arusha vereinbart, in Ruanda ein Mehrparteiensystem einzuführen. Wenige Monate später wurde die United Nations Assistance Mission for Rwanda (UNAMIR) entsendet, um das Land zu stabilisieren. Der Friedensvertrag wurde allerdings von radikalen Hutus abgelehnt, die die Milizen Interahamwe und Impuzamigambi gründeten und Vorbereitungen für die Vernichtung der Tutsi trafen. Anfang der 1990er Jahre war die wirtschaftliche Lage katastrophal. Ruanda war vor allem agrarisch geprägt, sehr dicht besiedelt und es gab kaum Bodenschätze. Die Landwirtschaft war kleinstrukturiert und auf Kaffeeexport ausgerichtet. Die Preise für Kaffee waren auf dem Weltmarkt sehr stark gefallen und die Kleinbäuerinnen und -bauern waren massiv vom Einkommensverlust betroffen. Verschärft wurde die Situation durch die von der Weltbank auferlegten Strukturanpassungsprogramme. Zudem traten in mehreren Teilen des Landes Dürren auf. Die Armut machte die Bevölkerung sehr anfällig für die Anti-Tutsi Propaganda, die von der Hutu-Regierung, vor allem über den Radiosender Milles Collines, gezielt verbreitet wurde. Die vielen arbeitslosen jungen Männer traten den Milizen bei, wo sie militärisch ausgebildet, ideologisch geschult und bewaffnet wurden.

Bereits zu Jahresbeginn 1994 wies General Romeo Dallaire, Leiter der UNAMIR-Mission, den UN-Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Anzeichen eines bevorstehenden Genozids hin. Als am 6. April die Gewalt ausbrach, wurde die UNAMIR-Mission jedoch nicht personell und militärisch gestärkt, sondern bekam den Befehl alle Ausländer und Ausländerinnen zu evakuieren und das Land zu verlassen. Während in den Vereinten Nationen über die Vorgehensweise verhandelt wurde, fand in Ruanda der Genozid statt. Opfer waren vor allem Angehörige der Tutsi-Minderheit aber auch oppositionelle und moderate Hutu, die sich nicht an Gewaltverbrechen beteiligen wollten bzw. sich diesen entgegenstellten. Die gewöhnliche Bevölkerung, die teilweise freiwillig handelte oder gezwungen wurde, beteiligte sich ebenfalls an den Gewaltakten. Nach drei Monaten beendete die Ruandische Patriotische Front unter der Führung von Paul Kagame, dem jetzigen Staatspräsidenten, den Genozid. Schätzungen zufolge wurden zwischen 800.000 und einer Million Menschen getötet. Etwa zwei Millionen Menschen flüchteten in Nachbarländer und es gab ca. zweieinhalb Millionen Binnenflüchtlinge. Das soziale Gefüge sowie die politischen und wirtschaftlichen Strukturen waren völlig zerstört und der ostafrikanische Staat zählte zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein detailliertes Bild über die Ereignisse zeichnen „Kein Zeuge darf überleben“, „Nur das nackte Leben. Berichte aus den Sümpfen Ruandas.“, „Zeit der Macheten“ und "Understanding Genocide".

Die politische Entwicklung nach dem Völkermord

Seit dem Ende des Völkermords hat Paul Kagame Ruandas Politik dominiert. Er war zunächst Vize-Präsident und Verteidigungsminister, 2000 wurde er als neuer Staatspräsidenten eingesetzt, drei Jahre später ins Amt gewählt, 2010 wurde er für weitere sieben Jahre bestätigt. Eine Verfassungsänderung ermöglichte ihm 2015 die Kandidatur für eine dritte Amtszeit, die er 2017 antrat.

Nach dem Völkermord musste die Regierung den Staat und all die dazugehörigen Institutionen – Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und Armee – komplett neu aufbauen. Dies passierte vor dem Hintergrund der kompletten Zerstörung des Landes und der Furcht vor weiteren Konflikten, daher hatte die RPF unter Paul Kagame einen großen Handlungsspielraum für grundlegende Veränderungen. Ruanda weist klassische Merkmale eines Entwicklungsstaates auf – effiziente öffentliche Bürokratie, eine entwicklungsorientierte Regierungsführung mit starker Anbindung an den Privatsektor sowie eine vereinte Regierung mit einer klaren Entwicklungsvision. Aufgrund der spezifischen Voraussetzungen der post-genozidären Situation kann Ruanda jedoch mit keinem anderen Land verglichen werden.

Parallel zu den Diskussionen um die Millennium Development Goals (MDGs) der Vereinten Nationen wurde unter dem Namen Vision 2020 von der ruandischen Regierung im Jahr 2000, ein ehrgeiziges Entwicklungsprogramm verabschiedet. Das Ziel ist es bis zum Jahre 2020 Ruanda in ein Land mit mittlerem Einkommen zu entwickeln. Zwei Publikationen erläutern insbesondere die Situation nach dem Genozid.

Home Grown Solutions - traditionelle Konzepte

In einem nationalen Dialog wurden im Jahre 2000 auch Maßnahmen zur Umsetzung der ambitionierten Armutsbekämpfungs- und Entwicklungsstrategien diskutiert. Unter dem Namen Home Grown Solutions kam es zur Wiedereinführung und Belebung von traditionellen Praktiken: Ubudehe (gemeinschaftliches Handeln zur Armutsbekämpfung Arbeit), Gacaca (informelle Gerichtsbarkeit auf Dorfebene), Imihigo (Leistungsvereinbarungen und Mechanismen der Rechenschaftspflicht), Itorero (kulturelles Mentoring und Führungstraining), Girinka (zur Verfügungstellung einer Kuh für eine arme Familie, um deren Lebensunterhalt zu sichern) und Umuganda (gemeinschaftliche Arbeit, die einmal im Monat durchgeführt wird). Die nationale Entwicklung erfordert eine gesamtgesellschaftliche Beteiligung und durch die Verknüpfung traditioneller und moderner Methoden wurde die Akzeptanz für politische Maßnahmen erhöht und die Bevölkerung mobilisiert.

Zugrunde liegt dieser Politik das Einschwören auf eine gemeinsamen ruandischen Identität. Beispielsweise wird in Ruanda nicht mehr von Hutu und Tutsi gesprochen. Die Kampagne Ndi Umunyarwanda (Ich bin Ruander) wurde 2013 ins Leben gerufen und hat das Ziel das Nationalgefühl und die Einheit der Ruander zu stärken. Die Regierung unter Paul Kagame hat zweifelsohne viel Aufbau- und Versöhnungsarbeit geleistet. Kritik an seinem Führungsstil wird jedoch mit dem Hinweis auf den Völkermord zum Schweigen gebracht. Hankel (2016: 452f) kritisiert, dass Kagame sein Land „in permanentem Rückgriff auf ein liberaldemokratisches Vokabular (Rechtsstaatlichkeit, Fortschritt, Wohlstand, Entwicklung) wie eine militärische Einheit kommandiert“ und „bei Bedarf nach innen wie nach außen brutal zuschlagen lässt“. Zudem zeichnet sich ab, dass die Vision 2020 nur für einen Teil der Bevölkerung erfüllt wurde und Ruanda von extremen Ungleichheiten vor allem zwischen Stadt und Land geprägt ist.

Die Soziale Arbeit als westliches Konzept

Die Sozialarbeit ist als akademische Disziplin in den westlichen Ländern entstanden, um die Begleiterscheinungen von Industrialisierung, Urbanisierung und damit verbundener Armut zu mildern. In afrikanischen Ländern wurde die Sozialplanung während der Kolonialzeit eingeführt. Soziale Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung wurden als Instrumente verwendet, um koloniale Interessen durchzusetzen. Nach der Dekolonisation und im Zuge der Modernisierungsbestrebungen wurden sozial- und wohlfahrtspolitische Strategien nach westlichem Vorbild etabliert. Es wurden erste Schulen, die eine tertiäre Ausbildung im Bereich Sozialarbeit anboten, eingerichtet. Curricula, Lehrinhalte und -methoden und Lernmaterialien wurden dabei 1:1 aus Nordamerika oder Europa transferiert. Diese stellten sich oft für den afrikanischen Kontext als unbrauchbar heraus. Kritik an westlich geprägt Inhalten und Ansätzen, wurde ab den 1970er Jahren immer stärker formuliert. Einerseits forderten die afrikanischen Kolleginnen und Kollegen eine Indigenisierung der Sozialarbeit und damit verbunden eine stärkere Einbettung von Theorien und Methoden in den kulturellen Kontext. Andererseits entwickelte sich der Social Development Approach mit dem Ziel die Armut zu bekämpfen und gesellschaftlicher Diskriminierung entgegenzuwirken. Bei diesem entwicklungsorientierten Ansatz werden die strukturellen Rahmenbedingungen auf einer Meso- und Makroebene thematisiert und der Fokus wird auf die gesellschaftliche Transformation gelegt. Aufgrund der weiten Verbreitung extremer Armut in vielen afrikanischen Ländern stehen statt „einzelfallorientierter Zugänge“ „gemeinwesenorientierte und sozialpolitische Ansätze“ im Vordergrund. Die allererste Publikation zu Sozialarbeit in Ostafrika, entstand im Rahmen des PROSOWO-Projekts.

Die Institutionalisierung Sozialer Arbeit in Ruanda

Soziale Arbeit war vor dem Völkermord als Profession in Ruanda nicht bekannt. Das erste Bachelorprogramm für Sozialarbeit wurde 1998 an der National University of Rwanda (seit 2013 University of Rwanda) eingerichtet. Ziel war es professionelle Fachkräfte für die Unterstützung von traumatisierten und vulnerablen Menschen in Ruanda auszubilden. Der Anstoß dafür kam von Einzelpersonen, die aus der Diaspora heraus versuchten, am Wiederaufbau ihres Landes mitzuwirken. Die gesellschaftlichen Strukturen waren zerstört, die Familien dezimiert und die Fähigkeit der Gemeinschaften für sich selbst zu sorgen war kaum noch vorhanden. Die große Anzahl an traumatisierten Menschen, Vertriebenen, Waisen, Witwen, Menschen mit Behinderungen und Gefangenen brachten große soziale Herausforderungen mit sich.

Die Institutionalisierung und der Aufbau von wissenschaftlichen Kapazitäten ist ein langer und schwieriger Prozess. Der erste Jahrgang des Bachelorprogramms schloss 2002 mit insgesamt 10 Studierenden ab. Bisher wurden über 800 Graduierte ausgebildet. Mittlerweile weisen mehrere Mitarbeiter/innen einen Master- oder PhD-Abschluss der Sozialarbeit auf, wobei die Abschlüsse großteils an europäischen bzw. nordamerikanischen Universitäten erfolgten. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Institutionalisierung ist daher ein lokales Masterprogramm, mit relevanten Lehrinhalten und der Vermittlung von an den ruandischen Kontext angepassten Methoden. Derzeit wartet das Department auf die Akkreditierung des Master Curriculums.

Unter den Bedingungen einer post-genozidären Gesellschaft benötigen Absolventinnen und Absolventen der Sozialarbeit adäquate Kenntnisse und Fähigkeiten, die vor allem die strukturellen Aspekte von Armut und weniger die individuellen Probleme adressieren. Angesichts der extremen Traumatisierungen, die viele Menschen erfahren haben, dürfen diese jedoch nicht vernachlässigt werden. Die Hauptprobleme nach dem Genozid waren bzw. sind mentale und psychologische Auswirkungen durch das Erleben oder Mitansehen von Gewalt oder Tod, die existentielle, Bedrohung durch Armut, ein Mangel an Vertrauen zwischen den verschiedenen Gruppen und damit verbundene Herausforderungen in der Versöhnungsarbeit, der Zusammenbruch von Familien- und Sozialstrukturen und die Reintegration von Kindern in die Gemeinschaft. So vielfältig die Probleme sind, so unterschiedlich müssen auch die Sozialarbeiter/innen darauf reagieren. Die Interventionen reichen von psychologischer Beratung, über Konfliktmanagement, zu Unterstützung bei Versöhnungsprozessen bis hin zu gemeinwesenorientierten Maßnahmen auf Basis des Ubudehe Konzepts. Dieser Ansatz bezieht sich auf traditionelle ruandische Praxis und Kultur des kollektiven Handelns und der gegenseitigen Unterstützung, um Probleme innerhalb einer Gemeinschaft zu lösen. Ursprünglich verweist der Begriff auf die kulturelle Praxis Felder gemeinschaftlich für die Regenzeit und die folgende Pflanzsaison vorzubereiten. Auf diese Art und Weise wurde die schwere Arbeit geteilt und sichergestellt, dass am Ende alle Felder vorbereitet sind. In diesem Kontext wurde auch auf marginalisierte Personen Rücksicht genommen wurde. Wichtig ist, dass sich Ubudehe nicht nur auf die Landwirtschaft beschränkt war, sondern sich auch auf andere Aktivitäten, die die Unterstützung von vielen Leuten benötigten, erstreckt.

Soziale Arbeit im Licht der Millenium Development Goals wird in dieser Publikation behandelt, ein weiterer Artikel befasst sich mit Social Development as the Privileged Model for Social Work Practice in Post-genocide Rwanda

Professional Social Work in East Africa - PROSOWO

Für die Entwicklung von wissenschaftlichen Kapazitäten und die Durchführung von Forschungsarbeiten waren internationale Kooperationen von Anfang an dringend nötig für den Aufbau des Departments für Soziale Arbeit an der Universität von Ruanda. So gab es beispielsweise bilaterale Kooperationen mit kanadischen Universitäten (Tulane University und York University). Das Projekt PROSOWO ermöglichte jedoch in Zusammenarbeit mit der FH Kärnten den Aufbau einer regionalen Partnerschaft mit ostafrikanischen Universitäten (Makerere Universität/Uganda, Universität Nairobi/Kenia, Hope Universität/Burundi, Universität von Ruanda und das Institut für Sozialarbeit/Tansania). Im Zentrum des Projekts stehen empirische Forschungen und die Erarbeitung lokal relevanter Modelle der Sozialarbeitspraxis. Weitere Aktivitäten finden im Bereich der Lehrplanentwicklung, des Aufbaus von akademischen Kapazitäten sowie der wissenschaftlichen Vernetzung statt. Im Februar 2017 wurde das East Africa Centre for Research and Innovation in Social Work - CRISOWO in Kampala/Uganda eröffnet und fungiert seitdem als Forschungs- und Innovationsplattform. Der Bereich „Resources“ bietet eine Übersicht über sämtliche im Projekt publizierten Artikel, Bücher und Positionspapiere.

In Kampala wurde im März 2014 eine Konferenz über Soziale Arbeit und deren Bedeutung für die Armutsbekämpfung und die soziale Entwicklung veranstaltet. Mehr Informationen dazu bietet der Welt im Ohr Podcast „Marsch für soziale Gerechtigkeit in Ostafrika“.

Die zweite Konferenz zum Thema „Professionelle Soziale Arbeit und nachhaltige Entwicklung in Afrika“ fand im März 2018 in Kigali statt. Im Zuge dieser wurde auch ein „Social March“ veranstaltet. Eindrücke von Projektmitarbeiter/innen und Teilnehmer/innen der Konferenz und des Sozialen Marsches vermittelt der Podcast „Sozialarbeit nach dem Genozid in Ruanda“.

Im Konferenzprogramm finden sich die Abstracts und Informationen zu den Wissenschaftler/innen, die in diesem Bereich forschen und ihre Ergebnisse präsentiert haben. Ein Video der Konferenz ist hier abrufbar.

Finanziert wird PROSOWO durch das Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development - APPEAR, ein Programm der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit – OEZA. Ziel dieses Programms ist die Stärkung institutioneller Kapazitäten von Hochschulen in den adressierten Ländern, in den Bereichen Lehre, Forschung und Management. Erreicht werden soll dies durch Akademische Partnerschaften mit österreichischen Hochschulen.

Soziale Arbeit nach einem Völkermord und Reflexion einer Studienreise

Die Bachelorarbeit von Maria Reimelt hat das vorrangige Ziel, relevante Aspekte sozialer Arbeit im internationalen Kontext anhand einer Studienreise nach Ruanda aufzubereiten. Dafür wird neben wesentlichen Stationen der Exkursion wie der „International Social Work Conference“ in Kigali auch die Geschichte Ruandas und des 1994 stattgefundenen Völkermordes dargestellt. Erfahrungen von Opfern und Tätern finden genauso Berücksichtigung wie die zehn Stufen eines Genozids, die Möglichkeiten der Aufarbeitung bis hin zur aktuellen sozialpolitischen Situation sowie den Anforderungen an Soziale Arbeit. Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Reflexion.

Sozialarbeit in Ruanda bei Welt im Ohr

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

Die Sendung "Sozialarbeit nach dem Genozid in Ruanda" bietet umfangreiche Interviews und Eindrücke vom Social March in Kigali im Frühjahr 2018. Es kommen ausgewählte Kenner/innen der Situation aus u.a. Ruanda, Österreich oder Kanada zu Wort, insbesondere werden die Versuche, mit den Folgen des Schreckensszenarios umzugehen, aufgezeigt und auch die Auswirkungen, die es bis heute hat.

Die Aufarbeitung des Völkermordes bei Welt im Ohr und der KEF

Schon früher behandelte Welt im Ohr die Situation Ruandas. Thema des Podcasts „Ruanda, das Land der tausend Hügel gut 20 Jahre nach dem Genozid“ sind dessen Ursachen und Aufarbeitung. Die Gäste diskutieren zudem über Ruandas Entwicklung in den letzten 20 Jahren und über aktuellen Bedingungen und Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort.

Anlass dieser Radiosendung war der zwanzigste Jahrestag des Genozids, der im April 1994 stattfand. Heute noch haben das Land und seine Bevölkerung unter den Auswirkungen und Folgen des grauenhaften Völkermordes zu leiden. Ausgehend von den Themen des Podcasts gestaltete die KEF ein Fokusthema, das sich mit den unterschiedlichen Formen der Aufarbeitung des Genozids befasst.