Im Fokus: Nicaragua- Lehren, Forschen und Reisen im Land der Seen und Vulkane

Sunset in Bluefields/Nicaragua © Nikoleta Nikisianli

Klimawandel in Nicaragua

Nicaragua, das ärmste Land Zentralamerikas, wurde dem Global Climate Risk Index 2017 zufolge, als das am viertschlimmsten vom Klimawandel betroffene Land in der Periode von 1996-2015 eingestuft. Auch das Climate Change Risk Profile verdeutlicht die Brisanz der Lage, wobei die erhöhte Vulnerabilität auf die geografische Lage (Atlantische Hurricanes), die vorherrschende Armut, sowie die Abhängigkeit von den natürlichen Ressourcen zurückgeführt wird.

INKOTA, ein Zusammenschluss unterschiedlicher, engagierter Menschen und Gruppen, die gemeinsam für eine gerechte Welt eintreten möchten, publizierten in Kooperation mit anderen Gruppen/Kooperationen eine informative Broschüre, welche sehr gut die Folgen und Problematiken des Klimawandels im Globalen Süden, im speziellen Nicaragua, veranschaulicht.

Klimaschutzmaßnahmen in Nicaragua

Auf der Pariser Klimaschutzkonferenz (COP21), wo sich im Dezember 2015, 195 Länder erstmals auf ein allgemeines, rechtsverbindliches weltweites Klimaschutzübereinkommen einigen konnten, beteiligte sich Nicaragua interessanterweise nicht. Das Übereinkommen umfasst einen globalen Aktionsplan, der die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C begrenzen soll, um einem gefährlichen Klimawandel entgegenzuwirken und gilt als Meilenstein im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Stellt sich nun die Frage, warum Nicaragua, als eines der meist betroffenen Länder, nicht am Abkommen interessiert ist? Paul Oquist, Nicaraguas Vertreter der Pariser Verhandlungen, argumentierte kürzlich, warum das Abkommen nicht ambitioniert genug ist, und betont außerdem, dass das aktuelle Austrittsbestreben der USA nicht mit den Motivationen und Gründen Nicaraguas zu vergleichen ist.

Denn Nicaragua ist weltweit führend, was den Einsatz ökologisch nachhaltiger Energien und Fortschritte im Klimaschutz betrifft. Sogar die Vereinten Nationen, der Internationale Währungsfonds (IWF) und der WWF (World Wide Fund For Nature) loben Nicaraguas Engagement, wo bereits im Jahr 2020 rund 90 Prozent des Bedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden soll (hier nachzulesen).  Auch in Bluefields, Hauptstadt der karibischen autonomen Region Südatlantik und Standort des APPEAR Projektes, wo die lokale Bevölkerung besonders unter Überschwemmungen, Hurrikans, Dürren, Umweltverschmutzungen und daraus resultierenden ökonomischen Schäden leidet, beginnen sich zunehmend Initiativen im Kampf gegen den Klimawandel zu bilden, wie im kürzlich erschienenen Artikel von IPS, dem Inter Press Service, nachzulesen ist.

In der internationalen NGO „Citizens Prepared for Climate Change“ arbeitet beispielsweise die Zivilgesellschaft, gemeinsam mit Forscher/innen und Behörden, an Kampagnen, um die karibischen Gemeinschaften für die Folgen des Klimawandels zu rüsten, wobei die 2015 entwickelten Joint Principles for Adaptation (JPA) berücksichtigt werden. Auch die Direktorin der Umweltorganisation blueEnergy, welche rund 30.000 Menschen an der karibischen Küste mit einer Vielfalt an praktischen Energie-, Wasser-, Sanitär- und Klimaschutzlösungen unterstützt, ist an der NGO beteiligt.

Nikoleta Nikisianli spricht in der Sendung ebenso über ein steigendes Interesse an klimaschützenden Maßnahmen und internationalen Kooperationen ausgehend von der nicaraguanischen Bevölkerung. In ihrem kürzlich publizierten Artikel, diskutiert sie neben der aktuellen Situation in Nicaragua auch den Zusammenhang von Klimawandel und Migration und plädiert insbesondere  für eine transdisziplinäre und grenzenlose Forschung, um evidenzbasierte, klimaschutzfördernde und richtungsweisende Maßnahmen ergreifen zu können.

Klimawandel – Migration – Armut – Kinderarbeit – Schulbildung

Der Kinderarbeitsreport 2017, wo unter anderem eine Fallstudie aus Nicaragua herangezogen wurde, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und verschlechterten Lebensbedingungen für Kinder. Ökologische Veränderungen sind dafür verantwortlich, dass Kinder in ausbeuterische Arbeit gedrängt werden, sie ihren ursprünglichen Lebensmittelpunkt als Migranten verlassen oder gefährlichere Arbeiten übernehmen müssen. Sowohl eine permanente als auch eine saisonale Migration sind wesentliche Faktoren dafür, dass Kindern der Zugang zur Schule verwehrt bleibt und sich das Risiko für Kinderarbeit erhöht.

In Nicaragua stellen beispielsweise große Mülldeponien plötzlich eine lukrative Einkommensquelle für Erwachsene und auch Kinder dar. Viele Familien haben wegen der extremen Witterung die Landwirtschaft aufgegeben und sind in städtische Umgebungen gezogen. Kinder verdingen sich als Müllsucher. Manche lernen immerhin noch vor oder nach der Arbeit, andere arbeiten auch in den Schulferien, um die Familie über die Runden zu bringen. Hier ein zum Thema passender Filmtipp: „Fiesta auf der Müllhalde“ (Dokumentarfilm).

Die meisten Kinder haben sehr eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten oder keine Möglichkeiten Schule und Arbeit zu verbinden, so dass sie ihre Schulbildung abbrechen müssen. Nach Schätzungen der UNICEF können rund 500.000 Kinder in Nicaragua die Schule nicht besuchen.  In manchen Fällen unterstützten Eltern den Schulbesuch ihrer Kinder nicht einmal dann, wenn diese im Rahmen von Projekten von NGO‘s ermöglicht werden. Insbesondere die hohe Armut spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche  Rolle, auch in Bluefields, worauf ein Artikel im Guardian näher eingeht.

Rafaela Mazal spricht in der Sendung über das Projekt der Mobilen Schulen, welches Kindern aus ärmsten Verhältnissen die Möglichkeit auf schulische Bildung ermöglichen soll. Auch die Presse widmete diesem Projekt einen Artikel.

Podcast

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

In der Sendung „Nicaragua: Lehren, Forschen und Reisen im Land der Seen und Vulkane“  sprechen Mag. Martina Luger, Mag. Rafaela Mazal und Mag. Nikoleta Nikisianli darüber, wie Reisen, Lehren und Forschen global bilden und verbinden kann. Insbesondere die aktuellen Entwicklungen und Fortschritte im APPEAR Projekt „Strengthening of local Research Capacities at the Bluefields Indian and Caribbean University, Nicaragua to confront the effects of Climate Change“, welches von der Kooperation zwischen BOKU, BICU und Horizont 3000 getragen wird, standen im Zentrum der Diskussion.

Bereits im Jahr 2015 gab es eine Sendung zum Thema Klimawandel in Nicaragua, wo zwei Expertinnen über dessen negativen Auswirkungen auf lebensnotwendige Sektoren, wie die Landwirtschaft, sowie über die nötigen Ressourcen für den globalen Klimaschutz sprechen.