Totes Meer/Westjordanland © Doris Bauer

Frauenrechtskonvention

In der Sendung wurde von Prof. Libora Oates-Indruchova das "Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau" (engl: Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women, kurz: CEDAW) als Anhaltspunkt für Fragen und Schnittstellen von Gender und Religion erwähnt. Das Übereinkommen wurde 1979 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Es wird oftmals auch Frauenrechtskonvention genannt und hat den Status einer internationalen Menschenrechtskonvention. In dem Übereinkommen wurde festgelegt, was Diskriminierung gegen Frauen ist und welche Maßnahmen von Nationalstaaten getroffen werden können bzw. welche Standards eingehalten werden sollen, um diese Diskriminierung in verschiedensten Bereichen zu beenden. Die Staaten, die die Konvention unterzeichnet haben, verpflichten sich zur gänzlichen Beendigung aller Formen der Diskriminierung gegen Frauen.

Die Palästinensischen Gebiete traten, wenngleich Nicht-UN-Mitglied, nachträglich in den Vertrag ein und erkannten 2014 die CEDAW an. Bisher wurde die Konvention von 189 Staaten ratifiziert, allerdings nur unter Einschluss einiger Vorbehalte (reservations), aufgrund derer die Staaten nicht zum Einhalten aller Artikel verpflichtet sind. Die Überwachung der Konvention obliegt dem Committee on the Elimination of Discrimination against Women (ebenfalls CEDAW) des UN Human Rights Office of the High Commissioner, das eine Liste der Ratifizierungen der Konvention veröffentlicht hat. Hier finden Sie Informationen zur Konvention und zur Arbeit des Komitees bis 2007.

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist eine weithin akzeptierte Strategie zur Förderung von Gendergleichberechtigung. Während Gleichberechtigung der Geschlechter das Ziel darstellt, ist Gender Mainstreaming lediglich eine Methode oder ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Gender Mainstreaming beinhaltet, dass die Aufmerksamkeit für Gleichberechtigung, eine sogenannte Gender-Perspektive, in allen Bereichen und Aktivitäten eine zentrale Rolle einnehmen soll. Dies soll in möglichst allen Bereich verankert werden, wie etwa Politik, Gesetzgebung, Wissenschaft, Ressourcenbeschaffung und -verteilung, Recht, Programme und Projekte. Das Prinzip der Gleichberechtigung soll fundamental in nationalen und lokalen, öffentlichen und privaten Organisationen und Institutionen sein. Ziel ist es, diskriminierende soziale Institutionen, Gesetze, Normen und Praktiken zu transformieren.

Gender Responsive Budgeting (GRB)

Gender Responsive Budgeting führt die zwei Bereiche Gendergleichstellung und öffentliches Finanzmanagement zusammen. GRB wurde 1994 in Australien entwickelt und stellt mittlerweile ein wichtiges Instrument in der Analyse, Planung und Umsetzung von finanziellen Mitteln in über 80 Ländern dar. Auch in Österreich wurden einige GRB-Initiativen durchgeführt. Das Ziel von GRB ist, dass Gendergleichberechtigungsprinzipien im gesamten Budget-Prozess einbezogen und berücksichtigt werden sollen. Es geht nicht darum, zwei separate Budgets für Männer und Frauen zu etablieren. Vielmehr wird angestrebt, dass Budgets eine Gendergleichberechtigungsperspektive enthalten, dass diese als Mainstream in den Sektor der öffentlichen Finanzen verankert wird und konkrete Investitionen in diese Richtung getätigt werden.Die Ansammlung und Verteilung öffentlicher Gelder soll Gleichberechtigung und Empowerment von Frauen vorantreiben. Zudem erkennt GRB die Bedeutung von unbezahlter Arbeit an, insbesondere Sorge- und Hausarbeit, die von nationalen Finanzsystemen und Messzahlen wie GDP nicht berücksichtigt werden. Von Prof. Brigitte Holzner ist hier eine Publikation zum Thema GRB auf den Seiten 47-54 zu finden.

Gender Responsive Governance (GRG)

Gender Responsive Governance wird hier als ein Prozess definiert, in dem Maßnahmen, Einstellungen und Praktiken verschiedener Akteure auf unterschiedlichen Ebenen der Regierungsführung mit den Zielen 1) Empowerment von Frauen und 2) Gleichberechtigung der Geschlechter verknüpft werden. GRG fördert die Möglichkeit für Frauen, und auch für Männer, umfassend an der Regierungsführung teilzuhaben. GRG bedeutet demnach aktive und bedeutungsvolle Partizipation von Frauen auf allen Ebenen von Entscheidungsfindungsprozessen. Die Regierungsführung wird im Rahmen dessen dahingehend hinterfragt und kritisiert, ob sie auf dem Prinzip der Gleichberechtigung basiert und dieses fördert.

Feminismus und Islam

Islamischer Feminismus lässt sich aufgrund der diversen Formen, in denen er auftritt, nicht als eine einheitliche Richtung des Feminismus verstehen, vielmehr handelt es sich um Islamische Feminismen im Plural. Einige grundlegende Aspekte lassen sich dennoch identifizieren. Margot Badran definiert Islamischen Feminismus als „ein Frauen-zentriertes Lesen und Verstehen des Koran und anderer religiöser Texte von Wissenschafter/innen und Aktivist/innen“ (Badran, Margot. Feminism in Islam: Secular and Religious Convergences. Oxford, England: Oneworld Publications, 2009). Es werden vorherrschende, oft für Frauen benachteiligende, Interpretationen des Islam in Frage gestellt und neue Interpretationen und Verständnisse vorgeschlagen, die mehr Geschlechtergleichberechtigung zulassen und auch verlangen. Islamische Feminismen stützen sich in ihrer Verfechtung von Frauenrechten maßgeblich auf islamische Texte, Alltagspraktiken und Rituale als zentrale Ressourcen und Argumente. Sie verstehen die Gleichstellung der Geschlechter als im Islam verwurzelt.

Einige Islamische Feminist/innen vertreten die Auffassung, dass traditionelle Kategorien der Rechtsprechung, Normen und Bräuche erhalten bleiben und lediglich neu und innovativ erschlossen werden sollen. Andere fordern eine radikale Reform der Fundamente des Islam. Es gibt Muslime, die ihre Feminismen aus verschiedenen Diskursen und Ansätzen zusammensetzen und auch Terminologien und Ziele von westlichen Feminsimen übernehmen oder adaptieren. Diese letzte Form des Feminismus unter Muslimen wird manchmal auch Muslimischer Feminismus genannt, um ihn vom Islamischen Feminismus abzugrenzen. Islamischen Feminist/innen wird von „westlichen“ Feminst/innen oftmals Widersprüchlichkeit vorgeworfen. Traditionelle Muslime hingegen unterstellen häufig, dass Feminismus, auch Islamischer, ein Import aus dem „Westen“ sei, der für Imperialismus und eine damit einhergehende Destabilisierung der lokalen Gemeinschaften, Familie und kulturellen Identität steht.

Verschiedene muslimische Wissenschafter/innen haben sich mit Gender und Frauen auseinandergesetzt. In ihrem Buch Women and Gender in Islam. Historical Roots of a Modern Debate verfolgt Leila Ahmed die historische Entwicklung der modernen Debatte zu Frauen und Geschlecht im Islam zurück bis in die vorislamische Zeit. Fatema Mernissi analysierte die Hadithe mit einem Bezug zur Rolle der Frau und Gender. Amina Wadud betrachtet und analysiert den Koran aus einer feministischen Perspektive unter anderem in ihrem Buch „Qur’an and Woman: Rereading the Sacred Text from a Woman’s Perspective“, von dem Sie hier eine Rezension finden.

Feministin und Professorin Islah Jad

Islah (Hosnia) Jad wurde 1951 in Kairo geboren, wo sie auch ihren Bachelor erlangte, bevor sie in Paris ihren Master und an der University of London ihren PhD in Development Studies/ Political Science absolvierte. Sie ist Gründungsmitglied der Bachelor- und Master-Programme Women’s Studies an der Universität Birzeit im Westjordanland. An dieser Universität ist Islah Jad Lektorin am Institute of Women’s Studies, das 1994 als erste akademische Initiative für Genderfragen in den Palästinensischen Gebieten gegründet wurde. In den Jahren 2008 bis 2013 war sie Direktorin dieses Instituts. Seit 2014 ist sie außerordentliche Professorin am International Affairs Department der Universität von Katar. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Rolle von Frauen in der Politik, palästinensische Frauen sowie deren Beziehung zum Islam und NGOs. Sie hat unter anderem Kurse zu „Gender and Development“, „Gender NGOs and Social Movements“, und „Gender Planning and Policies“ gehalten.

In diesem Artikel schreibt Islah Jad über Entwicklungen der islamischen Gender-Ideologie in Gaza in Folge der Etablierung der Partei Islamic National Salvation Party, die sich der Rechte von Frauen annimmt und die Möglichkeit einer „neuen islamischen Frau“ ermöglichte. Im Jänner 2018 war sie eine der Sprecher/innen auf der Konferenz Feminism in Crisis, die von der Amerikanischen Universität Beirut veranstaltet wurde.

Women’s Studies und Gender Studies in den Palästinensischen Gebieten

Islamic University of Gaza

Am 2. April 2018 wurde im Rahmen des APPEAR-Projekts Strengthening Higher Education Capacities in Palestine for Gender Equality (SHE_GE) auch an der Islamischen Universität Gaza (IUG) ein Women’s Studies Center als erstes seiner Art in Gaza eröffnet. Die Etablierung eines Master -Programms für Women’s and Gender Studies ist ein weiteres Projektziel.

Birzeit University

Die Universität Birzeit hat 1994 das erste Institut of Women’s Studies in den Palästinensischen Autonomiegebieten gegründet. Die Universität bietet einen Bachelor und einen Master in Women’s Studies.

An-Najah National University

An der An-Najah National University in Nablus wird ein MSc in Women’s Studies angeboten.

Al-Quds Open University

Die Al-Quds Open University mit Sitz in Jerusalem ist die einzige Fernuniversität in den Palästinensischen Gebieten. An ihrer Faculty of Social and Family Development wird ein Schwerpunkt in Gender and Development angeboten. Die Universität veröffentlicht Zahlen zur Geschlechteraufteilung ihrer Studierenden. Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle der Al-Quds Open University in der Förderung von Gendergleichstellung

Al-Quds University

Im Curriculum des Studiums Development Studies an der Al-Quds University findet sich ein eigener Kurs zu Gender. Zum INSAN Center for Gender Studies lassen sich leider keine aktuellen Informationen finden.

Wer noch etwas darüber hören möchte, wie sich die schwierige Situation in Gaza auf Frauen auswirkt und welchen Herausforderungen sie gegenüber stehen, findet in dieser Ausgabe der Radiosendung VON UNTEN IM GESPRÄCH auf Radio Helsinki verschiedene Perspektiven zu diesem Thema.

Studierende in den Palästinensischen Gebieten

Das Palestinian Central Bureau for Statistics hat im März 2018 verschiedenste Statistiken veröffentlicht. Daraus geht unter anderem hervor, dass im Studienjahr 2016/2017 in den Palästinensischen Gebieten 207.362 Studierende im ersten Semester studiert haben, darunter 39% Männer und 61% Frauen.

Schwierige Bedingungen für Wissenschaft und Forschung

Zu den in der Sendung angesprochenen schwierigen Bedingungen für die Wissenschaft aufgrund der Isoliertheit der Palästinensischen Gebiete hat auch Andreas Obrecht im März 2017 in der Ö1-Radiosendung "Dimensionen – die Welt der Wissenschaft" berichtet. Seine Reportage über eine Hochschulkooperation im Rahmen des APPEAR-Programmes zum Thema „energieeffizientes Bauen“ zeigt die Problematik der fehlenden Mobilität nach außen für Forschungskooperationen auf.

KEF und APPEAR Projekte in Palästina

Nähere Informationen zu den APPEAR-Projekten, über die in der Sendung berichtet wurde, finden Sie auf den Projektseiten von Strengthening Higher Education Capacities in Palestine for Gender Equality (SHE_GE) und Rooting Development in the Palestinian Context (ROOTDEVPAL).

Von 2015 bis 2016 wurde ein KEF-Forschungsprojekt zur Bedeutung von landwirtschaftlichen Kooperativen für eine nachhaltige, ökologisch verträgliche, widerstandsfähige und eigenständige Produktionsweise in Palästina

Die APPEAR-Projekte in den palästinensischen Gebieten Conflict, Participation and Development in Palestine (CPDP) und Promotion of Energy- Efficient Buildings Towards Developing Sustainable Built Environment in the Gaza Strip- Palestine (PEEB) sind bereits abgeschlossen. Weitere laufende APPEAR-Projekte in der Region sind Capacity Building for Energy- Efficient Buildings Towards a Sustainable Built Environment in the Gaza Strip- Palestine (CBEEB) und Developing maker‐movement‐inspired training courses on renewable energy sources in the Gaza Strip ‐ Palestine (MakingFutureEnergy4Palestine).

Welt im Ohr und Gender in Palästina

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

In der Sendung Gender an der Uni: Über ein Projekt in Palästina berichten Wissenschafterinnen über den Hochschulkontext und die Situation von Frauen im Gazastreifen. Es werden zwei APPEAR-Projekte vorgestellt, die unter anderem die Stärkung von Frauen und Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel haben. Die österreichischen Projektpartnerinnen sprechen darüber, wie Frauen die extrem schwierige Situation im Gazastreifen meistern und welchen Herausforderungen sie dabei gegenüber stehen.

Mehr zu Palästina bei Welt im Ohr

Die Sendung Palästinensische Gebiete: Lokale Wissensproduktion aus dekolonialer Forschungsperspektive hat sich 2017 bereits mit einem der in der aktuellen Sendung vorgestellten APPEAR-Projekte in Palästina beschäftig. Projektmitarbeiter/innen aus Österreich, Gaza und Jordanien erzählen von den Zielen in Hinblick auf eine inklusive, demokratische und egalitäre Entwicklungsagenda für Palästina und wie diese erreicht werden können.

Auch 2013 gab es eine Sendung über Städte, Wandel, Bildung und Visionen: Hochschulkooperationen in den Palästinensischen Gebieten. Es werden zwei sehr unterschiedliche APPEAR-Projekte in Palästina vorgestellt und diskutiert. Beide verbindet dennoch der zentrale Aspekt der spezifischen geo-politischen Verhältnisse, die diese Region zum Schauplatz etlicher Spannungen und Konflikte gemacht haben.