Im Fokus: Das gute Leben – für alle? Für einzelne? Für wen?

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Gutes Leben als Beziehung zur Welt

Cover "Resonanz" © Suhrkamp Verlag

Hartmut Rosa, in der Sendung als erster Interviewgast zu hören, hat sich 2016 in seinem monumentalen Werk Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung im großen Stil mit der Frage nach dem guten Leben befasst.

Wie in der Sendung macht er Lebensqualität – und damit das gute Leben – nicht (allein) von der Verfügbarkeit an Ressourcen für jeden einzelnen abhängig, sondern sieht die Beziehung, die jeder einzelne zur Welt hat, den Handlungsspielraum, das Gefühl gestaltendes Objekt in einer sehr abstrakt gewordenen Welt zu sein, als Schlüsselelement.

Grüne Ökonomie als Retter in der Not?

Cover "Kritik der grünen Ökonomie" © oekom

Lili Fuhr sieht die Grundlage des guten Lebens auf drei Säulen stehend. Das Wirtschaften innerhalb planetarischer Grenzen, die Stärkung von Menschenrechten und demokratischen Prinzipien. In dem Werk Kritik der grünen Ökonomie, das sie gemeinsam mit Barbara Unmüßig und Thomas Fatheuer für die Heinrich Böll Stiftung herausgegeben hat. Der kritische Blick auf die sogenannte Green Economy ist eines der zentralen Themen, mit denen sich die deutsche Heinrich Böll Stiftung befasst. Darunter versteht man eine Ökonomie, die nicht nur auf Wirtschaftswachstum sondern auch auf ökologische Nachhaltigkeit und soziale Werte ausgerichtet ist. Weltweit steht sie Kritiker/innen und Befürworter/innen gegenüber, die einen sehen in ihr die Rettung unseres Planeten, für die anderen stehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum im Widerspruch und ein genereller Paradigmenwechsel wird gefordert.

Beispiel Brasilien

Das im Podcast angesprochene Beispiel des neuen Waldgesetzes in Brasilien, das vordergründig die Wirtschaft auf nachhaltige Weise ankurbeln soll, führt im Endeffekt dazu, dass mehr privater Wald abgeholzt werden darf, wenn man sich an der sogenannten grünen Börse Kompensationszertifikate kauft, die gewährleisten, dass dafür ein anderer Teil nicht abgeholzt wird. Hierbei handelt es sich jedoch oft um infrastrukturferne Waldstücke, die ohnehin nie in Gefahr waren.

Podcast der Heinrich Böll Stiftung

Auch die Heinrich Böll Stiftung betreibt einen Podcast. „Böll.Fokus“ befasst sich mit ausgewählten Themen der Stiftung, eine zum „Im Fokus“-Thema passende Episode können Sie hier hören.

Verteilungs(un)gerechtigkeit als Faktor

Ein weiterer Aspekt, der ein gutes Leben für alle beeinflussen, fördern oder auch hemmen kann ist die Verteilung von Kapital und damit auch Ressourcen(nutzung) weltweit aber auch auf regionaler Ebene. Wenige Reiche bis Superreiche besitzen einen Großteil des weltweiten Vermögens und diese Kluft steigt weiter an. Dies hat Auswirkungen auf soziale, ökonomische und ökologische Aspekte, auf Bildung und soziale Entwicklung.

Die bekannteste Methode zur Messung der finanziellen Ungleichverteilung auf Landesebene ist der sogenannte Gini-Koeffizient, welcher das Verhältnis des Einkommens der reichsten 10% zu den ärmsten 10% eines Landes darstellt. Eine vergleichbare Liste über Gini-Koeffizienten weltweit gibt es leider nicht, da die Datenlage sehr unterschiedlich ist, einen guten Überblick über die Verteilung in Österreich bietet folgende Webseite des Jahoda-Bauer Instituts.

Materialsammler/innen als Kollektive ohne "Führung"

Cover "handlung | macht | raum" © Lit Verlag

Materialsammler/innen sind Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Abfall verdienen. Lange Zeit waren diese informellen Gruppen von Arbeitenden nicht beachtet und am Rande der Gesellschaft stehend. Dies hat sich in den letzten 15-20 Jahren geändert. Materialsammler/innen begannen sich in Kooperativen zusammenzuschließen, politische Lobbyarbeit zu betreiben und ihre Interessen auch nach außen und oben zu vertreten. Diese Initiative, im Podcast am Beispiel Brasilien behandelt, ist als ein positives Beispiel sozioökologischer Transformation zu sehen. Auch der Nachwuchspreisträger des Österreichischen Preises für Entwicklungsforschung 2015, Robert Hafner von der Universität Innsbruck, befasste sich in seiner ersten Monographie mit Materialsammler/innen – in Buenos Aires.

Podcast

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

In der Radiosendung "Gutes Leben für wen? Bericht über einen engagierten Kongress in Wien" hat Maiada Hadaia sich mit Kongressteilnehmer/innen und -besucher/innen darüber unterhalten, was eigentlich hinter der Forderung "gutes Leben für alle" steht. Unterschiedliche Aspekte und auch die Frage, ob es sich hierbei vielleicht um ein zu schwammiges "Konzept" handelt werden ebenso thematisiert, wie konkrete Initiativen und Aspekte.

Hier können Sie diese Sendung nachhören und downloaden.