Im Fokus: Geld gegen Armut?

Social Protection © geralt/pixabay.com CC0

Social Protection – Social Assistance – Cash Transfers

Wie in der Sendung "Geld gegen Armut?" diskutiert wurde, handelt es sich bei Cash Transfers, um direkte Geldleistungen an vulnerable Haushalte oder Personen bestimmter Zielgruppen. Man unterscheidet zwischen bedingungslosen Geldleistungen und Leistungen, welche an bestimmte Konditionen geknüpft sind. Ganz allgemein gesprochen sind sogenannte Cash Transfers als eine Art von Social Assistance (oder Sozialleistung) zu begreifen, welche neben vielen anderen Unterstützungsmaßnahmen – wie Arbeitslosengeld, Pension etc. – einen besonders effektiven Teilbereich der staatlichen sozialen Sicherung darstellt. In den meisten Entwicklungsländern wurden diese Geldtransfers an marginalisierte und gefährdete Teile der Bevölkerung als Strategie zur Armutsbekämpfung, zur Steigerung der Lebensqualität und zur sozialen Absicherung integriert.

Weitere Informationen können diesem Guide entnommen werden. Er liefert einen Überblick der angesprochenen Begrifflichkeiten und Konzepte sowie weiterführende Literaturangaben zum Thema.

Mythen und Dinge, die man über Cash Transfers wissen sollte

Das Overseas Development Institute (ODI), ein führender und unabhängiger Thinktank für Fragen bezüglich internationaler Entwicklung und humanitärer Belange, veröffentlichte im Mai 2016 ein Video über die "10 Dinge, die man über Cash Transfers wissen sollte". Der Beitrag erklärt entscheidende Aspekte und Vorteile direkter Geldleistungen, wobei insbesondere gegen die gängige humanitäre Hilfe mittels Sachleistungen argumentiert wird.

Eine steigende Zahl an Studien liefert bereits aussagekräftige Evidenzen bezüglich der Auswirkungen von Cash Transfers. Hier findet man eine Übersicht – erstellt vom ODI – von 165 solcher Studien über 56 Geldtransfer-Programme in 30 unterschiedlichen Ländern.

Es wurde beispielsweise eine Studie mit sehr positiven Ergebnissen über die Auswirkungen von direkten und bedingungslosen Geldleistungen von GiveDirectly in Kenya durchgeführt. GiveDirectly ist die größte NGO, welche mittels direkter (und bedingungsloser) Geldtransferleistungen an bedürftige Menschen gegen Armut kämpft.

Auch BBC berichtete darüber, was passiert, wenn von Armut betroffene Menschen direkt und bedingungslos Gelder aus Geldtransfer-Programmen erhalten.

Trotz der positiven Ergebnisse und Erfolge, die durch Cash Transfers erzielt werden können, belaufen sich, laut einem Artikel von The Guardian, lediglich 6 % der humanitären Ausgaben auf die Vergabe von direkten Geldleistungen. Warum das so ist, wird im Artikel unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem mangelnden Vertrauen in die bedürftigen Menschen in Zusammenhang gebracht; nicht zuletzt aufgrund einer langen paternalistischen Tradition von Regierungen und Organisationen.

Fehlendes und falsches Wissen kann sinnvolle Programme und effektive Lösungswege zerschlagen. Aus diesem Grund stellt Aufklärung und die Verbreitung von evidenzbasiertem Wissen und Informationen einen wichtigen Aspekt zur erfolgreichen Implementierung von Geldtransfer-Programmen dar. Passend dazu ein Artikel, der die 5 Mythen über Cash Transfers aufdeckt, sowie ein Video, welches die Realität bzw. die Mythen über Cash Transfers beleuchtet.

Basic Income – SDGs – Degrowth

In der Sendung erwähnte Jurgen de Wispelaere im Zusammenhang mit Geldtransfer-Programmen den Begriff des Unconditional Basic Income, also das bedingungslose Grundeinkommen. Barbara Rohregger ist der Meinung, dass eine analytische Trennung dieser beiden Programme notwendig ist, da es sich um unterschiedliche Ideen und Mechanismen handle. Sie differenziert zwischen dem Grundeinkommen, welches dafür da ist, um jeder Bürgerin und jedem Bürger einer Nation eine Einkunft zu ermöglichen, mit dem sie oder er (über-)leben kann. Wohingegen Cash Transfers lediglich als zusätzliche Gelder oder Zuschüsse zum Einkommen (rund 15-20% des Haushaltseinkommens) zu verstehen sind. Diese sind lediglich für ausgewählte Zielgruppen (vulnerable Teile der Gesellschaft) bestimmt.

Folgender Artikel erklärt in Abgrenzung zum Begriff Cash Transfer, die Idee von Universal Basic Income. Außerdem geht er auf die institutionellen Rahmenbedingungen ein, unter welchen die jeweiligen Geldleistungs-Programme implementiert werden und verdeutlicht die Verbindung zwischen Cash Transfers, Basic Income und den Sustainable Development Goals (SDGs).

Zum Weiterlesen:

Zeit Thema: Bedingungsloses Grundeinkommen

Zum Weitersehen:

weltweit erster Kinofilm über das Grundeinkommen: „Free Lunch Society“

Zum Weiterhören, -lesen und -sehen:

Mediathek vom Degrowth-Webportal über Degrowth und Grundeinkommen

Ulrich Brand über Degrowth und Grundeinkommen

Jurgen De Wispelaere: Basic Income and the Precariat

Podcast

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

In der Sendung "Geld gegen Armut?" war Dr. Barbara Rohregger, selbständige Gutachterin für Sozialpolitik und Soziale Sicherung in Entwicklungs- und Transformationsländern, und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt "Social and Health Policies for Inclusive Growth in Ghana and Kenya" der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu Gast. Sie spricht über Social Protection und Cash Transfers in Zusammenhang mit ihren Erkenntnissen und Erfahrungen aus den Projekten in Ghana und Kenya. Dr. Jurgen de Wispelaere, Sozialwissenschafter der Universität Bath/UK und der Universität Tampere/Finnland, erzählt im Interview unter anderem von aktuellen Pilotprojekten in Verbindung mit bedingungslosen Geldleistungen. Dabei standen insbesondere die Vorteile und positiven Aspekte im Vordergrund.