Genderperspektiven

... in der Kommission für Entwicklungsforschung

Im Förderprogramm der KEF nimmt Gender einen besonderen Stellenwert ein, nicht nur durch die möglichst gleichberechtigte Teilnahme von Frauen in den Projektteams, sondern auch als eigenständige analytische Kategorie. So soll (Un)Gleichheit zwischen den Geschlechtern ein Aspekt der Forschung selbst sein. Denn jede wissenschaftliche Disziplin kann auch kategorisch in Hinblick auf diese Ungleichheiten Forschung betreiben, z.B. durch die Erforschung von unterschiedlichen Auswirkungen auf Männer UND Frauen oder durch die weibliche UND männliche Sichtweise auf eine Problemstellung. Sowohl auf Ebene der Organisationsstrukturen der KEF, als auch in den Projekten selbst, kommt die Gleichstellung der Geschlechter als wichtige Grundlage vor. Es wird Wert darauf gelegt, Aspekte von Gender aktiv in die Planung und Durchführung der finanzierten Projekte einzubinden. Zu Gender Mainstreaming finden Sie hier weitere Informationen.

Frauenrechtskonvention

Das „Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau" (engl: Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women, kurz: CEDAW) wurde 1979 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Es wird oftmals auch Frauenrechtskonvention genannt und hat den Status einer internationalen Menschenrechtskonvention. In dem Übereinkommen wurde festgelegt, was Diskriminierung gegen Frauen ist und welche Maßnahmen von Nationalstaaten getroffen werden können bzw. welche Standards eingehalten werden sollen, um diese Diskriminierung in verschiedensten Bereichen zu beenden. Die Staaten, die die Konvention unterzeichnet haben, verpflichten sich zur gänzlichen Beendigung aller Formen der Diskriminierung gegen Frauen. Bisher wurde die Konvention von 189 Staaten ratifiziert, allerdings nur unter Einschluss einiger Vorbehalte (reservations), aufgrund derer die Staaten nicht zum Einhalten aller Artikel verpflichtet sind.

Die Überwachung der Konvention obliegt dem Committee on the Elimination of Discrimination against Women (ebenfalls CEDAW) des UN Human Rights Office of the High Commissioner, das eine Liste der Ratifizierungen der Konvention veröffentlicht hat. Hier finden Sie Informationen zur Konvention und zur Arbeit des Komitees bis 2007.

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist eine weithin akzeptierte Strategie zur Förderung von Gendergleichberechtigung. Während Gleichberechtigung der Geschlechter das Ziel darstellt, ist Gender Mainstreaming lediglich eine Methode oder ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Gender Mainstreaming beinhaltet, dass die Aufmerksamkeit für Gleichberechtigung, eine sogenannte Gender-Perspektive, in allen Bereichen und Aktivitäten eine zentrale Rolle einnehmen soll. Dies soll in möglichst allen Bereichen verankert werden, wie etwa Politik, Gesetzgebung, Wissenschaft, Ressourcenbeschaffung und -verteilung, Recht, Programme und Projekte. Das Prinzip der Gleichberechtigung soll fundamental in nationalen und lokalen, öffentlichen und privaten Organisationen und Institutionen sein. Ziel ist es, diskriminierende soziale Institutionen, Gesetze, Normen und Praktiken zu transformieren.

Gender Responsive Budgeting (GRB)

Gender Responsive Budgeting führt die zwei Bereiche Gendergleichstellung und öffentliches Finanzmanagement zusammen. GRB wurde 1994 in Australien entwickelt und stellt mittlerweile ein wichtiges Instrument in der Analyse, Planung und Umsetzung von finanziellen Mitteln in über 80 Ländern dar. Auch in Österreich wurden einige GRB-Initiativen durchgeführt. Das Ziel von GRB ist, dass Gendergleichberechtigungsprinzipien im gesamten Budget-Prozess einbezogen und berücksichtigt werden sollen. Es geht nicht darum, zwei separate Budgets für Männer und Frauen zu etablieren. Vielmehr wird angestrebt, dass Budgets eine Gendergleichberechtigungsperspektive enthalten, dass diese als Mainstream in den Sektor der öffentlichen Finanzen verankert wird und konkrete Investitionen in diese Richtung getätigt werden. Die Ansammlung und Verteilung öffentlicher Gelder soll Gleichberechtigung und Empowerment von Frauen vorantreiben. Zudem erkennt GRB die Bedeutung von unbezahlter Arbeit an, insbesondere Sorge- und Hausarbeit, die von nationalen Finanzsystemen und Messzahlen wie GDP nicht berücksichtigt werden. Von Prof. Brigitte Holzner ist hier eine Publikation zum Thema GRB auf den Seiten 47-54 zu finden. Das APPEAR-Projekt GENDER hatte die Stärkung von GRB in Uganda zum Ziel.

Gender Responsive Governance (GRG)

Gender Responsive Governance wird hier als ein Prozess definiert, in dem Maßnahmen, Einstellungen und Praktiken verschiedener Akteure auf unterschiedlichen Ebenen der Regierungsführung mit den Zielen 1) Empowerment von Frauen und 2) Gleichberechtigung der Geschlechter verknüpft werden. GRG fördert die Möglichkeit für Frauen, und auch für Männer, umfassend an der Regierungsführung teilzuhaben. GRG bedeutet demnach aktive und bedeutungsvolle Partizipation von Frauen auf allen Ebenen von Entscheidungsfindungsprozessen. Die Regierungsführung wird im Rahmen dessen dahingehend hinterfragt und kritisiert, ob sie auf dem Prinzip der Gleichberechtigung basiert und dieses fördert.

... in der österreichischen Wissenschaft

Das BMBWF hat hier zur Gendergleichstellung an österreichischen Hochschulen Informationen und Hinweise zu relevanten Einrichtungen, wie Genderreferaten der Universitäten, veröffentlicht.

Die Genderplattform dient zum Austausch, zur Vernetzung und Kooperation. Mitglieder sind jene Einrichtungen, die gemäß Universitätsgesetz an Österreichs Universitäten mit der Koordination der Aufgaben der Gleichstellung, der Frauenförderung sowie Geschlechterforschung und der auf ihr basierenden Lehre betraut sind. Hier finden Sie auch eine Übersicht der Genderreferate an den Universitäten.

Die Österreichische Gesellschaft für Geschlechterforschung bezweckt die Etablierung, Weiterentwicklung und Förderung von Geschlechterforschung in ihrer gesamten Breite im universitären und außeruniversitären Bereich in Österreich.

... in der EU

Das European Institute for Gender Equality (EIGE) ist ein unabhängiges Organ der Europäischen Union und soll Geschlechtergleichstellung im Rahmen der EU fördern. Das Institut stärkt Gender Mainstreaming in sämtlichen EU-Gesetzen und –Politiken sowie in den daraus folgenden nationalen Gesetzgebungen während es weiterhin gegen Genderdiskriminierungen kämpft. Auf der Website finden sich verschiedenste Statistiken, unter anderem zu Genderverhältnissen im tertiären Bildungssektor.

Genderperspektiven bei Welt im Ohr

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

Im Juni 2018 war Gender gleich zwei Mal Thema bei Welt im Ohr. In Gender an der Uni: Über ein Projekt in Palästina berichten Wissenschafterinnen über den Hochschulkontext und die Situation von Frauen im Gazastreifen. Es wird unter anderem das APPEAR-Projekt SHE_GE vorgestellt, das die Stärkung von Hochschulkapazitäten für Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel hat.
Die Sendung Frauen, Politik und Parlamentarismus im südlichen Afrika beleuchtet die Rolle der Frau - und auch des Mannes - in der Politik, mit besonderem Fokus auf Subsahara-Afrika. Interviewpartner/innen und Studiogäste sprechen über Herausforderungen für Frauen, gendergerechte Politik, Lokalpolitik und die Rolle der Jugend.

Im Februar 2015 wurde in der Sendung Das Private ist Politisch: Für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen die internationale Kampagne "One Billion Rising" vorgestellt. Mit österreichischen Aktivist/innen, die sich daran beteiligt haben, wird über Fakten zu Gewalt und Gewaltprävention und der Verantwortung von Männern und Frauen gesprochen.

Auch 2014 gab es bereits eine Sendung mit dem Titel Gendergerechtigkeit an Hochschulen – wo stehen wir heute? Maßnahmen in Wissenschaft und Forschung, in der über den weltweit unterschiedliche möglichen Zugang von Frauen zur Wissenschaft und die Implementierung von Gendergerechtigkeit diskutiert wird.