Fairness und Transparenz

Stoff bedrucken in Ghana © Julia Lichtkoppler

in Forschungspartnerschaften zwischen Österreich und Projektpartnern in Afrika, Asien und Lateinamerika

KEF-Projekte erarbeiten wissenschaftliche Lösungsansätze für globale Herausforderungen, wie zum Beispiel die Sicherung von Ernährungssouveränität, Zugang zu sauberem Wasser, Nutzung erneuerbarer Energieträger, Vermeidung von Konflikten, Sicherung der Menschenrechte und die Analyse von sozialen, ökonomischen und politischen Entwicklungen.

Lösungen zu diesen Herausforderungen können nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit erarbeitet werden, in einem Rahmen, der den Beitrag der beteiligten Personen und Institutionen wertschätzt und in einem Raum, der Austausch von Wissen und Wissenssystemen sowie gegenseitiges Lernen ermöglicht.

Die KEF möchte diese Räume des wissenschaftlichen Austausches erschließen und stärken. Dies geschieht einerseits durch die Reflexion der KEF-Projektförderschiene und einen guten Kontakt mit den KEF-Projektpartner/innen und andererseits durch Literaturanalyse sowie eine Vernetzung mit relevanten Partner/innen und Initiativen zu diesem Thema.


“Gesunde” Partnerschaften

2018_CAAST-net_plus_logo_c_CAAST-net_plus.png © CAAST-Net plus

Effektivität wird in diesem Artikel als Ausmaß dessen definiert, in welchem die „Gesundheit“ einer bi-regionalen Partnerschaft die Erreichung der Projektziele positiv beeinflusst. Ein Universalrezept zur Bildung einer effektiven Partnerschaft zwischen Institutionen auf verschiedenen Kontinenten gibt es nicht – jedoch teilen die Autor/innen des Artikels ihre Erfahrungen im Rahmen ihrer Tätigkeit bei CAAST-Net Plus, ein EU-finanziertes Netzwerk aus 26 weltweiten Partnerinstitutionen, das die Förderung und Sichtbarmachung von Forschungs-Kooperationen zwischen Afrika und Europa im Hinblick auf die globalen Herausforderungen zum Ziel hatte. Dabei gehen sie über die Aufzählung von Leitlinien hinaus und geben vier Praxis-Vorschläge, die aus ihrer Sicht zu „gesunden“ Partnerschaften beitragen: 1) individuelle Interessen aussprechen, 2) kulturelle Gegebenheiten offen diskutieren, 3) nicht-finanzielle Ressourcen identifizieren und anerkennen und 4) institutionelles Lernen von Beginn an im Projekt verankern.

Gerard Ralphs und Isabella E. Wagner, 2018. “Towards Better Joint Work: Reflections on Partnership Effectiveness”. In Andrew Cherry et al. (eds.). Africa-Europe Research and Innovation Cooperation: Global Challenges, Bi-regional Responses. Palgrave Macmillan. pp. 123-140. doi.org

Research Fairness Initiative

RFI logo © RFI | COHRED

Die Research Fairness Initiative versteht sich als Instrument der Berichterstattung, durch welches Fairness und Transparenz in Kooperationen zwischen Ländern mit ungleichen Ausgangsbedingungen mehr Stellenwert eingeräumt werden soll. Durch diese Berichte sowie durch Vernetzung und Austausch sollen good practice Beispiele identifiziert und präsentiert werden. Letztendlich sollen Referenzpunkte geschaffen werden, anhand derer sich Maßnahmen zur Verbesserung von Fairness und Transparenz in Forschungskooperationen orientieren können. RFI wurde von COHRED, dem Council on Health Research for Development, begründet, und fokussiert vorerst auf Forschungskooperationen im Bereich Gesundheit und Medizin. Es ist jedoch angedacht, diese in der Zukunft thematisch zu öffnen. Beim Launch der Research Fairness Initiative am 28. September wurde diese von Prof. Carel IJsselmuiden von COHRED präsentiert und anschließend von internationalen Vertreter/innen aus Politik, Forschung und Forschungsförderung kommentiert und diskutiert. In diesem Rahmen stellte KEF-Mitarbeiterin Julia Lichtkoppler-Moser in einer Präsentation APPEAR und KEF vor und nahm an der Diskussion teil.

Wissen und Macht: Herausforderungen für die Forschungszusammenarbeit in und mit Afrika

Henning Melber äußert in seinem 2015 erschienenen Artikel die Beobachtung, dass Internationalisierung weiterhin die Dominanz des Nordens festige und dass Forschungspartnerschaften mit und in Afrika von asymmetrischen Beziehungen bestimmt seien. Selbst eine Bewusstmachung dieser ungleichen Bedingungen bedeute nicht, dass diese eliminiert werden. Es müsse daher ständige Bemühungen geben, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die fairere Forschungspartnerschaften ermöglichen. Henning Melber spricht sich in diesem Text außerdem für eine Umdefinierung der - westlich dominierten - Bedeutung von wissenschaftlicher Exzellenz aus.

Henning Melber, 2015. Knowledge is Power – and Power Affects Knowledge: Challenges for Research Collaboration in and with Africa in Africa Development, Volume XL, No. 4, pp. 21-42 © Council for the Development of Social Science Research in Africa.

EADI Forschung zu "Nord-Süd-Partnerschaften"

EADI Logo © EADI

In ihrer Veröffentlichung im Rahmen der EADI Policy Paper Series im Juni 2014 präsentieren Gilles Carbonnier and Tiina Kontinen ihre Forschungsergebnisse zum Thema North-South Research Partnership: Academia Meets Development? Diese basieren auf einer Online-Befragung, auf persönlichen Interviews sowie auf die Präsentation und Diskussion der ersten Ergebnisse im Rahmen von zwei Diskussionsrunden.

Carbonnier und Kontinen stellen fest, dass "Nord-Süd-Forschungskooperationen" oft von ungleichen und unausgewogenen Beziehungen geprägt sind. Trotz Verbesserungen während der letzten Jahre beeinflussen eingelernte Verhaltensmuster und festgefahrene Strukturen die Qualität und Effektivität der Partnerschaften. Dies widerspiegle sich besonders im Spannungsfeld zwischen Kapazitätenentwicklung und dem westlichen Anspruch an akademische Exzellenz.

Welt im Ohr - auf Augenhöhe

Welt im Ohr Logo © Lilo Moser

Sind wissenschaftliche und entwicklungspolitische Partnerschaften heute frei von Machtgefälle und Hierarchien? Welche Strukturen begünstigen, welche verhindern einen gleichberechtigt partnerschaftlichen Ansatz? Wer definiert Probleme und hat in Projekten das Sagen und wie sieht die praktische Umsetzung teils theoretischer Ideen und Konzepte aus? Diese Fragen wurden zunächst Prof. Dr. Henning Melber, Direktor em. der Dag Hammarskjöld Stiftung und Präsident von EADI gestellt. Anschließend berichten Tamara Mitrofanenko, MSc (BOKU Wien, APPEAR-Projekt CaucasusT) und Mag. Simon Reisenbauer (Universität Wien, APPEAR-Projekt INEDIS) sowie Oswald Schwarz (Horizont 3000) von ihren Erfahrungen. Nachzuhören im Welt im Ohr Podcast.

Kooperation im ungleichen Raum

Ein Artikel in den OeAD News 104/2017 berichtet von der EADI-Nordic Konferenz 2017 zu globalen Ungleichheiten und zieht Schlussfolgerungen aus einem Academic Panel, bei dem sowohl APPEAR- als auch KEF-Projektpartnerinnen ihre Erfahrungen präsentierten. Das Panel setzte sich zum Ziel, nicht nur die Inhalte der Projekte zu präsentieren, sondern auch aufzuzeigen, wie Kooperationen zwischen Partnern mit unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen funktionieren können, welche Prämissen und Voraussetzungen dafür erforderlich sind, und welchen Mehrwert solche Partnerschaften trotz großer Herausforderungen in ihrer Umsetzung haben.

"Kooperation im ungleichen Raum". OeAD.news 104. November 2017. S. 36-37.