Filmtage 2017 Nachlese - "Ouaga Girls"

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Top Kino
Am 2.12.17 zeigte die KEF den Film "Ouaga Girls" inkl. Publikumsdiskussion im Top Kino.

Alltag und Leben junger Frauen in Westafrika war das Thema des diesjährigen Eröffnungsfilms der Filmtage Wissen.Schafft.Entwicklung., die wie schon 2016 im Rahmen des internationalen Filmfestivals der Menschenrechte this human world stattfanden.

Der Film „Ouaga Girls“ handelt von einer Gruppe junger Frauen in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. Sie sind entschlossen Automechanikerinnen zu werden und während ihrer Ausbildung sprühen die Funken, sie hämmern und reparieren und auch die Herausforderungen der Gesellschaft und ihre ganz persönlichen Schicksale halten sie nicht davon ab.

Die Filmemacherin Therese Traore Dahlberg hat ihre Teenagerjahre in Ouagadougou verbracht und mit diesem Film möchte sie beschreiben wie es heutzutage ist eine junge Frau in Burkina Faso zu sein. Entgegen aller Ängste, Klischees und gesellschaftlicher Erwartungen erleben die Protagonistinnen gemeinschaftlich den Übergang zum Erwachsensein in einem Land voller politischer Umwälzungen. Der Film ist exemplarisch für das langsame Vordringen von Frauen in traditionelle Männerberufe, entgegen gängiger Vorurteile z.B. der angeblich fehlenden physischen Kraft. Die jungen Frauen sind selbstbewusst, sie unterstützen einander und sind auch darüber hinaus miteinander freundschaftlich verbunden.

Anschließend diskutierten die Austro-Burkinerin Irene Hochauer-Kpoda vom Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) und die Medizinanthropologin und Vorsitzende des Kuratoriums der Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) Ruth Kutalek mit Doris Bauer und dem Publikum. Der Film zeige ein realistisches Alltagsbild in einer pulsierenden Stadt, vor allem eines jenseits von Katastrophen und Hungersnöten. Die Ausbildung in einem männerdominierten Beruf gebe den Frauen Möglichkeiten mit auf den Weg, ob sie danach akzeptiert werden und Arbeit finden, hänge jedoch von mehreren Faktoren ab. In Burkina Faso sei es schwierig auch mit einer guten Ausbildung einen sicheren Job zu bekommen. Im stark ausgeprägten informellen Sektor seien oft Frauen beschäftigt, etwa als Verkäuferinnen von selbst hergestellten Souvenirs am Straßenrand. Sie tragen so auch ohne „offiziellen“ Job zum Familieneinkommen bei oder tragen dieses sogar zur Gänze.

Die gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung für Frauen in männlich dominierte Bereiche ein- oder dort auch aufzusteigen, wurde durch Stimmen aus dem Publikum mit jener in Österreich verglichen. Auch hier sei das Bild kaum anders. Je weiter man in z.B. politischen oder Unternehmenshierarchien nach oben blicke, desto geringer sei der Frauenanteil.  Ein positives Beispiel wurde von einem Ruander eingebracht, der nun in Floridsdorf lebt, denn im ruandischen Parlament und in der Wirtschaft liege der Frauenanteil bei über 60%, einer Zahl von der viele europäische Länder nur träumen könnten. Er brachte den Umgang mit Müll als Beispiel ein, welcher durch den hohen Frauenanteil im Parlament signifikante Verbesserung erfahren hätte. Frauen hätten einen anderen Blick auf viele Themen, die durch sie sichtbar gemacht werden.

Die im Film transportierten Bilder handelten jedenfalls nicht von den klassischen "drei K’s" der medialen Berichterstattung über Afrika - Kriege, Krankheiten, und Katastrophen - was beide Diskutantinnen als sehr positiv hervorhoben.

Ruth Kutalek, die in ihrem Forschungsbereich der Medizinanthropologie viel mit von schweren Krisen belasteten Frauen zu tun hat, merkte an, wie widerstandsfähig Menschen insbesondere in schweren Zeiten werden könnten. Sie entwickelten die Fähigkeit damit umzugehen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Auch nach dem Film äußerten sich die Zuschauer/innen bei einem gemütlichen Ausklang im Gastronomiebereich des Top Kinos positiv:

[…] Es wurde gezeigt mit welch unterschiedliche Hürden sie konfrontiert sind, nicht nur der Beruf und die Vorurteile in einer männerdominierten Berufssparte, sondern auch familiäre Probleme durch Armut, junge Elternschaft sowie gesellschaftliche Rollenbilder. Trotzdem ist der Film positiv,  vermittelt das Gefühl, dass sich in Ouagadougou etwas tut und dass diese jungen Frauen es auch schaffen können. […]

[…] Berührend zu sehen, dass die Sehnsüchte, Sorgen und Fragen junger Menschen, besonders junger Frauen überall auf der Welt sehr ähnlich sind: Wie schaffe ich es eine gute Ausbildung zu machen, um in Zukunft für mich und meine Familie sorgen zu können? […]

[…] Viele Szenen haben mich zum Lachen gebracht, der Film ist auch lustig, humorvoll und amüsant. Alle fahren auf Mopeds und die Stadt ist voll davon und wenn die jungen Frauen in ihrer Muttersprache sprechen sind sie sicherer. Durch das Französische geht  auch etwas verloren, weil sie dann zurückhaltender und ruhiger wirken, dennoch bekommt man einen ganz guten Eindruck, so als ob man einen Tag in Ouagadougou verbringt.[…]