Energie, Wissen und Entwicklung – ein Gespräch über Utopie, Realität und vielleicht auch Apokalypse

Vor 25 Jahren begannen in Österreich neue Bildungs- und Forschungskooperationen mit den ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas.

Die Zeit der großen Umbrüche begann mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Ende des kalten Krieges, der Öffnung der Grenzen Europas und damit einhergehend der weiteren Internationalisierung von Bildung.

Das österreichische Ministerium für Wissenschaft und Forschung reagierte darauf mit der Etablierung von Bildungs- und Forschungskooperationen mit den "wiedergewonnenen" Nachbarländern, um die einst gute Zusammenarbeit wieder aufzunehmen und zu stärken. Der Rückblick auf die Anfänge der akademischen Kooperationen mit den ehemaligen Ostblockländern ist sowohl von großen Erfolgen, als auch von Herausforderungen geprägt. Die Euphorie nach dem Ende des kalten Krieges brachte einigen den gewünschten Erfolg, die Hoffnung anderer wurde enttäuscht.

Utopische Gesellschaftsmodelle suchen seit rund 500 Jahren Lösungen, wie mit Knappheit und Überfluss umgegangen werden soll. Diese Utopien, in deren Zentrum fast immer die Frage nach der gesellschaftlichen Verteilung von Ressourcen steht, sind literarisch zumeist auf Inseln in Szene gesetzt worden. Heute haben Technik und fossile Energie einem Fünftel der Weltbevölkerung die Verwirklichung einer Wohlstandsutopie beschert, meint der Physiker Johannes Schmidl, auch wenn sich die meisten Menschen dessen gar nicht bewusst sind. Im Gegensatz dazu wird der energetische Umsatz von 5 Milliarden Erdenbewohnern steigen müssen, wenn diesen in Zukunft ein menschenwürdiges Leben zugestanden werden soll. Mit welchen Folgen für die Inseln des Überflusses?

Auch der Soziologe Andreas Obrecht, Leiter des Teams "Bildung und Forschung für Internationale Entwicklungszusammenarbeit" in der OeAD-GmbH beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit der grundlegenden Frage, auf welcher Basis, aufgrund welchen Wissens eine leidlosere und gerechtere Weltgesellschaft realisiert werden könnte. Er spricht mit Johannes Schmidl über verwirklichte Utopien, reale Ungleichheiten, über Armut, Überfluss und Hunger, und vielleicht auch über jene apokalyptischen Szenarien, die uns immer wieder vor Augen gehalten werden.

Johannes Schmidl ist Physiker und hat auch Philosophie und "Technischen Umweltschutz" studiert. Er befasst sich wissenschaftlich, beratend und lobbyierend seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema "Energie" und war für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit auch in Tibet und Nepal tätig. 2014 erschien im Verlag Sonderzahl, Wien: Energie und Utopie, 404 S., ISBN 978 3 85449

Andreas Obrecht ist habilitierter Soziologe und hat auch Sozial- und Kulturanthropologie studiert. Nach 25-jähriger universitärer Forschungs- und Lehrtätigkeit leitet er seit 2009 das Team „Bildung und Forschung für internationale Entwicklungszusammenarbeit“. 2014 erschien in der Edition Ausblick, Wien: Wozu wissen wollen? Ein Beitrag zur Wissensdiskussion aus kultur- und wissenssoziologischer Perspektive. 478 S., ISBN 978-3-903798-10-6

Gestaltung: Andreas Obrecht (für den Sendungsinhalt verantwortlich)

Gast: Johannes Schmidl

Sendetermin: Freitag, 05.12.2014, 20:00-21.00 Uhr, auf Ö1 Campusradio & Montag, 08.12.2014, 11-12 Uhr, auf Radio Orange 94.0

Musik: Gyako: Breeze Gyako; Julia Haltigan: All I can think of is you; Skulastic: The Bridge; Pokki DJ: Energy; Jaques Bertram: I feel good. Nachzuhören auf Jamendo, eine Community für freie, legale und unlimitierte Musik, die unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wurde.